Meine Erfahrungen als Sternenkind-Fotografin

Auch wenn es ein trauriges Thema ist, möchte ich Euch dennoch gerne von der Organisation "Dein Sternenkind" berichten, der ich vor einiger Zeit ebenfalls beigetreten bin. Solltest Du gerade selbst schwanger sein oder bereits persönliche Erfahrungen mit dem Verlust eines Kindes gemacht haben, möchte ich Dich bitten, ganz genau in Dich hineinzuhören, ob Du diesen Beitrag wirklich lesen möchtest.


Für diejenigen unter Euch, die Dein Sternenkind (kurz auch "DSK") noch nicht kennen, möchte ich die Initiative einmal kurz vorstellen: Es handelt sich dabei um einen deutschlandweiten Zusammenschluss von ehrenamtlichen Organisator und Fotografen, welche verwaisten Eltern ermöglichen, kostenfreie Fotos ihrer verstorbenen Babys zu erhalten. Da es zeitgleich die ersten und letzten Fotos ihrer Kinder sind, haben die Fotos eine immense Bedeutung für die Eltern. Diese Bilder dienen ihnen sowohl als Andenken als auch als wichtiger Bestandteil der Trauerarbeit. Dabei spielt es keine Rolle, ob die Babys bereits während der Schwangerschaft, während oder kurz nach der Geburt verstorben sind. Der organisatorische Ablauf ist beispiellos: Über die Webseite www.dein-sternenkind.eu können die Familien, das Klinikpersonal oder andere Vertrauenspersonen das Organisationsteam ganz schnell und unkompliziert kontaktieren und einen Fotografen anfordern. In der Datenbank von DSK sind deutschlandweit über 600 Sternenkind-Fotografen registriert. Alle Fotografen, die im Einzugsgebiet des Notrufs zur Verfügung stehen, werden umgehend per Handy-App darüber informiert und so kann der Auftrag - meist innerhalb von wenigen Minuten! - von einem Freiwilligen angenommen werden. Dieser kontaktiert dann die Eltern (oder die anderen Ansprechpartner) zur weiteren Absprache, ab diesem Moment ist der Fotograf für die Durchführung und Nachbereitung des Auftrags verantwortlich. Die Kliniken - zumindest in Berlin - kennen die Organisation schon gut und unterstützen die FotografInnen bei ihrer Arbeit. Die Fotos, die entstehen, sind dann sehr individuell, es wird versucht auf alle Wünsche der Eltern einzugehen. So entstehen am Ende ganz einfühlsame, professionelle Fotografien, die den Eltern anschließend in einem verschlossenen Umschlag oder auf Wunsch per Download überreicht werden.


Ich selbst habe vor einigen Jahren zwei Kinder noch während der Schwangerschaft verloren und habe Jahre gebraucht um das Erlebte, teilweise mit psychotherapeutischer Unterstützung, aufzuarbeiten. Mich hat diese Zeit sehr geprägt und ganz sicher fließt auch in meine Arbeit als Fotografin mit ein. Schon damals hatte ich von der Arbeit von DSK gehört und war zutiefst beeindruckt davon und wusste "irgendwann möchte ich auch Teil davon sein". Es sollten noch 3,5 Jahre vergehen, bis ich mich schließlich bereit fühlte, mich als Fotografin für DSK zu engagieren.


Mein erster Einsatz wird mir wohl für immer in Erinnerung bleiben, er hat mich zutiefst berührt. Ich möchte aus Respekt den lieben Eltern gegenüber nicht zu sehr ins Detail gehen, aber ich kann sagen, dass es sowohl das Traurigste als auch das Schönste war, das ich jemals fotografieren durfte. Die unendlich tiefe Trauer steht einer unendlich großen Liebe gegenüber. Ich habe das Gefühl, einen Teil dieser Trauer mitgetragen zu haben und weiß, dass die Familie sehr froh über die entstandenen Fotos ist. Wir fühlen uns noch heute sehr verbunden miteinander und ich bin dankbar und glücklich, dass ich dieser Familie diese wertvollen Bilder schenken durfte. Mein zweiter Einsatz folgte nur wenige Wochen nach meinem ersten und selbstverständlich hat auch dieser mich sehr bewegt. Ich war erleichtert, dass sich schon bei dieser Familie eine Art "Routine" eingestellt hatte, die mir ein sehr gefasstes und professionelles Arbeiten ermöglichte. Trotzdem merke ich, dass mich die Arbeit für DSK emotional sehr anstrengt - und mit dieser Erkenntnis möchte ich ganz bewusst umgehen. Auch wenn ich dadurch nicht so viele Aufträge für DSK annehmen kann, wie ich gerne würde (hinzu kommt, dass ich mit meiner Arbeit als selbstständige Fotografin auch sehr gut ausgelastet bin), bin ich mir sicher, dass es die richtige Entscheidung ist.


Ich hoffe, dass ich durch diesen Beitrag Dein Sternenkind vorstellen konnte oder sich vielleicht sogar noch einige Kollegen dazu ermutigt fühlen, der Organisation beizutreten. Wenn Ihr Fragen habt, könnt Ihr mich gerne kontaktieren.